Eine Minifreizeit besteht für die Älteren grundsätzlich aus drei Dingen: Essen und Programm – Die Reihenfolge spricht für sich – und Kaffee. Für die Jüngeren fällt das letzte weg. Und auch ich hatte mich lange dagegen gewehrt, denn wer sich nicht viel aus langen Nächten macht, hat auch wenig Bedürfnis nach der braunen Koffeinbombe. Während dieser Minifreizeit brach ich also mit meiner eisernen Regel, keinen Kaffee zu trinken.
Ich hasse Kaffee. Er hat für mich genau eine einzige Daseinsberechtigung: nach kurzen Nächten für neuen Schub sorgen. Das wirkt bei mir allerdings durchschlagend und hält mich von 9 Uhr morgens bis 3 Uhr nachts mühelos fit, egal, wie viel ich vorher geschlafen habe. Minifreizeiten machen das hin und wieder erforderlich. Um das Ekelerlebnis möglichst gering zu halten, mische ich ultra viel Milch und Zucker dazu. Neuerdings – ja, die Uni fordert ihren Tribut – bin ich dazu übergegangen, den Kaffee – auch ohne Milch und Zucker notfalls – kalt werden zu lassen und ihn dann in einem Zug hinunterzukippen.
Eine Minifreizeit ist viel mehr als Kaffee
Da Essen (außer auf Minifreizeit) und Kaffee doch recht eintönig ist ist, mal zum Programm. Wir gingen Mini…golfen. Machten Hausspiele. Spielten ‚Schlag den Ohler’. Spielten eine Fußball-WM. Bastelten. Machten Wasserbombenschlachten. Durchkreuzten abermals Maislabyrinthe. Imitierten ‚Genial daneben’. Ich hatte mittlerweile viele Leute dabei, die ich als meine Freunde bezeichnen würde, eindeutig. Und dazu noch all die Anderen, die einfach klasse waren und wie selbstverständlich alles gaben, damit ich auch alles mitmachen konnte.
Als wir eines Nachmittags nass ins Haus kamen, ob aufgrund von Wasserbomben oder Regen, ist unerheblich, musste ich irgendwie getrocknet werden. Also gingen wir zunächst bei den Mädchen einen Föhn besorgen. Als der dann ordentlich eingesteckt war, standen wir irgendwann vor dem Problem, dass auch mein Sitz und mein Hinterteil nass waren. Es waren wohl doch Wasserbomben… Also nahm mich Luci in die Arme, besser ich stützte mich auf ihn (er war es auch, der mir bei klospezifischen Fragen zur Seite stehen durfte, bis ich das später selbst erledigen konnte). Einer der anderen Leiterkollegen nahm den Föhn und föhnte fachmännisch. Wäre jemand damals in die Jungentoilette gekommen, hätte er sich seinen Teil gedacht. Aber genau solche Erlebnisse sind es, die ich einfach mag. Denn es funktioniert und funktioniert, niemand fragt nach.
Zu viel des Guten?
Am letzten Abend der Minifreizeit, einem Galaabend, zeigte allerdings die Schlafknappheit trotz dem morgendlichen Kaffee ihre Wirkung. Mit einer Kopfschmerztablette hatte ich mich in unser Zimmer verabschiedet. Die Zimmer lagen im ersten Stock. Soweit ich weiß, hatte es keine 20 Sekunden gedauert, geeignetes und arbeitswilliges Aufstiegspersonal zu finden und von vornherein war klar, dass ich noch einmal herunterkommen wollte.
Das würde ich nicht. Ich weiß noch, wie ich in der völligen Dunkelheit des Zimmers saß und dachte: „Lieber Gott, ich würde so gern wieder mitmachen da unten. Mach was.“ Ich war ziemlich unglücklich. Ich hatte die vergangenen Stunden und Tage so viel in mich aufsaugen können, so viel Spaß gehabt, war überreich beschenkt worden. Und das sollte es gewesen sein?
Doch der liebe Gott hatte ein Einsehen. Irgendwann kamen die anderen Leiter und fragten, wie es mir ginge. Die Kopfschmerzen waren inzwischen vergangen, die Feierlichkeiten auch. Sie nahmen mich aber mit ins Zimmer meiner Schwester. Die hatte tagsdarauf nämlich Geburtstag und um kurz nach zwölf standen wir pünktlich auf der Matte.
Ein unvergesslicher Abend
Es war ein wenig eng im Zimmer der Damen. Aber doch ganz nett in der Runde. Nach einer langen Zeit verabschiedeten sich die anderen Oberminis wieder. Wahrscheinlich um die Küche traditionsgemäß zu plündern. Ich blieb oben mit den Mädchen. Und ich wusste nach einiger Zeit, warum der Verlauf des Abends ganz gut war. Vielleicht lag es an der Kombination aus Schlafmangel, Kaffee, zu viel Essen Kopfschmerztablette und Zuckerschock auf dieser Minifreizeit. Wir schmissen alle unsere Süßigkeiten zusammen in dieser Nacht. Und für die folgenden Stunden kann ich es nicht anders sagen. Wir quatschten und quatschten, vollkommen sinnentleert, und hatten einen Mordsspaß.
In dieser Nacht hatte ich das Gefühl, dass ich endlich voll und ganz angekommen war, in der Welt, in die ich zu gehören mir vorgenommen hatte. Ich weiß noch, dass ich minutenlang lachte. Bauchschmerzen hatte, kaum noch atmen konnte, es aber ohnegleichen genoss. Irgendwann kamen meine Schlafzimmergenossen und meinten, ich solle Bescheid geben, wenn ich ins Bett wollte. Um fünf war es dann, glaube ich, soweit.
Ich hatte es endgültig geschafft, in der Welt der Jugend anzukommen. Von diesem Abend habe ich unglaublich viele unglaubliche Bilder und Eindrücke im Kopf. Diese Minifreizeit und speziell der letzte Abend werden mir immer im Gedächtnis bleiben als wunder-, wunderschön.