Behinderung ist Glück! Darf ich mich vorstellen?

Meine spastische Behinderung ist für mich keine Katastrophe oder ein lästiges Übel, sondern Glück. Für die meisten unvorstellbar. Es vorstellbar zu machen, ist mein Ziel.

Meine Idee: Behinderung ist Glück

Ich mache mir oft Gedanken, warum ich mich so entwickelte, wie ich heute, 30 Jahre alt, bin. Viele meiner Mitmenschen machen sich oft Gedanken, wie wohl dies oder jenes als Rollstuhlfahrer und Behinderter ist – und fragen sich und mich, wie eine Behinderung Glück sein kann. Ich habe mir vorgenommen, einige dieser Fragen zu beantworten. Denn viele Menschen stellen mir Fragen – oft ähnliche – und so gehe ich einfach mal davon aus, dass die Antworten auch einige weitere Menschen interessieren werden. Vor allem will ich zeigen, warum meine Behinderung für mich Glück bedeutet.

Theoretische Erklärungen helfen aber nicht viel weiter und deswegen gibt es vor allem viele Erlebnisse aus meinem Leben zu finden. Biografisch schreibe ich mich durch die Erlebnisse und Gedanken (siehe rechte Seitenleiste von oben nach unten). Oft werden die Erlebnisse gar keine Erklärung brauchen und für sich sprechen. Es ist übrigens völlig egal, ob du selbst behindert oder „gesund“ bist! Lass dich einfach auf eine etwas andere Sichtweise ein: Behinderung ist Glück.

Da sind zum Beispiel viele Menschen um mich, die mir helfen. Und da sind Türen, die sich mir nur wegen meiner Behinderung öffnen. Da sind Erlebnisse, die es ohne die Behinderung nicht gäbe. Das ist alles nur Schönfärberei? Dann schau auf den Seiten meines Blogs rollstuhlglueck.de nach – rechts findest du den Leitfaden durch meine „Biografie“.

Wer ich bin

Ich kam am 15. Oktober 1990 auf die Welt – eigentlich sollte ich mit meiner Großmutter am 26. Januar Geburtstag haben. Eine absolute Frühegburt.

Doch ich blieb und blieb. Mit mir blieb eine spastische Behinderung, die ich zunehmend als Bereicherung empfinde. Dabei darf natürlich mein Rollstuhl nicht fehlen… Heute bin ich Gymnasiallehrer, lebe mit meiner Frau in Tübingen, pflege einen großen Freundeskreis und viele Hobbies und bin mit meinem Leben sehr zufrieden.

Du willst wissen, warum gerade meine Behinderung meinem Leben Glück bringt? Und was in den 30 Jahren zwischen Geburt und heute passiert ist? Dann begleite mich auf meinem Blog. Natürlich gibt es auch Schattenseiten an meiner Behinderung. Von denen will ich nicht schweigen. Über die schönen Dinge nachzudenken ist allem Realismus zum Trotz viel angenehmer.

Nachwort

Im Sommer war ich für einen Tag auf Besuch bei der Ministrantenfreizeit unserer Seelsorgeeinheit. Ich bin ja schon länger keiner mehr. Dort kannten mich eigentlich nur noch die Leiter und auch von denen nur ein Teil. Umso beeindruckender fand ich es, dass nicht einer mit der Wimper gezuckt oder gemeckert hatte, als es hieß, mich über einige hundert Meter Stoppelfelder zu tragen. Die Minis hätten sich durchaus beschweren können, dass wir (unsere Gemeindereferntin und ich) uns diesen Tag zum Besuchen ausgesucht hatten. Denn ausgerechnet heute sollte es in eine Tropfsteinhöhle gehen und dorthin führte der kürzeste Weg nun mal über Felder und steile Wiesen.

Eine gute Stunde waren wir unterwegs. Und wohlgemerkt niemand auch nur theoretisch in den Raum gefragt, warum ich nicht mit unserer Küchenfee im Auto mitfuhr, die unsere Verpflegung transportierte. Es wurde einfach angepackt. Niemand fragte, ob denn nicht die Tropfsteinhöhle ohnehin schwierig sei und ich dann besser warten sollte. Niemand fragte, wer denn tragen würde. Und es waren nicht nur die Großen, die mich zu viert in ihre Mitte nahmen. Auch die 14-Jährigen zogen sich die T-Shirts aus, um sich Abkühlung zu verschaffen, und ab ging es über Stock, Stein – und Felder. Zwischendurch wechselten die Teams, ohne dass ich einmal den Mund aufmachen musste. Das hat mich doch mehr als beeindruckt. Einfach weil niemand hinterfragte.

Abschluss

Wenn es mir gelungen ist, zu zeigen, dass man sich trotz scheinbarer Einschränkungen am Leben freuen kann, diese sogar zu ganz anderen Sichtweisen auf das Leben führen können, dann habe ich meinen Wunsch, und ich denke auch Auftrag, erfüllt. Natürlich kann ich nicht für alle Menschen sprechen, die auf irgendeine Weise eingeschränkt sind oder denen das Schicksal einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Ich kann zeigen, dass ich selbst mich nicht mit meinem Leben plage. Denn ich habe für all das, was mir ‚genommen‘ wurde einen prima Ersatz gefunden. Menschen. Der Weg dorthin war nicht einfach, vielleicht kann er Mut machen, sich auf das Abenteuer der Mitmenschlichkeit einzulassen. Und sehr wahrscheinlich ermöglicht er den Gesunden einen anderen Blickwinkel – denn auch für diese habe ich das Buch geschrieben, für ihre Fragen. Ich bin dankbar, dass ich diesen Weg gehen durfte und dass mich so viele Menschen begleitet haben – und begleiten. Die mir ermöglichen, sagen zu können: Behinderung = Glück!

Schließlich freue ich mich, wenn ich mit diesen Seiten ein wenig unterhalten konnte. Viele Menschen fragen mich immer noch viele Dinge. Vielleicht konnte ich ja einige davon beantworten. Für alles andere: Bleiben Sie neugierig und fragen Sie nach.