Ich mag überhaupt nicht bestreiten, dass es wunderschön ist, wenn überall eine weiße Schneedecke liegt, ganz zart und unschuldig. Wenn der Schnee die Geräusche dämpft und es selbst nachts nicht wirklich dunkel wird, weil der Schnee ein wenig leuchtet. So lange ich ihn nur anschauen und zuhören darf, sind wir beste Freunde. Durch Neuschnee zu fahren ist sogar ganz schön, solange darunter kein Eis liegt.
Ich brauche die Handschuhe genauso wie sonst jeder im Winter, wenn ich nicht will, dass mir die Hände abfrieren. Die Greifreifen passen sich nämlich äußerst gerne der Außentemperatur an. An sich sind die Handschuhe also auch da prima. Vor allem, weil sie mich vor eventuell an den Greifreifen festfrierendem Schnee schützen, der mir sonst mit nadelspitzen Kristallen die Handflächen zerstört. Unangenehm wird es bei Schnee an die Greifreifen dennoch, weil die Handschuhe feucht und kalt werden.
Schneefreuden?
Unschön ist es auch für die anderen, die mit mir nach einer Schneetour im selben Raum sitzen dürfen; zwischen Räder und Greifräder passt sehr viel Schnee und der verwandelt sich unter Wärmeeinfluss gerne in große Pfützen. In der Schule hatte ich im Klassenzimmer einen Besen deponiert, zuhause ebenso. Je nach Empfindlichkeit des Bodens und der Hausbesitzer habe ich auch schon etliche Minuten auf Teppichen zugebracht, um abzutropfen, wenn kein Besen vorhanden war.
Wenn Schnee geräumt wird, passiert das meistens zu den Bürgersteigen hin. Für Autofahrer mag das ein Segen sein, für Fußgänger kein größeres Problem. Aber für mich ist es ein Fluch. Die Haufen sind viel zu fest zusammengedrückt als dass ich durch sie hindurch fahren könnte. Gerade so weich, dass sie, wenn ich es doch wage darüberzufahren, zusammenfallen. Manchmal geben sie zwar nicht nach, sind aber so steil angehäuft, dass ich sie nicht erklimmen kann, ohne hinten überzukippen.
Glatteis macht auch nicht mehr Spaß als mit dem Auto. Einmal bin ich unsere Straße bei Blitzeis hinunter gerollt. Das Beeindruckende und Beängstigende für mich war nicht etwa die Tatsache, dass ich gute 50 Meter brauchte, um von zügiger Gehgeschwindigkeit zum Stehen zu kommen. Sondern dass ich nicht mehr anfahren konnte. An dieser Stelle der Straße setzt das Gefälle kurz aus und es ist topfeben. Mit Fingerspitzengefühl, was bei Handschuhen nicht ganz einfach ist. Auch wenn die warme gefütterte Winterversion ebenso griffig ist wie die dünne für den Sommer.
Dick eingepackt
Ansonsten sind es die vielen Kleiderschichten, die ein Bewegen der Arme schwierig gestalten. Abgesehen davon ist es für mich noch mal ein Stück mühsamer, mich in das alles reinzuquetschen. Und wenn ich schon im Vorhinein weiß, dass ich nicht allzu viel Kälte erdulden muss, verzichte ich auch mal ganz gerne auf die Jacke. Beim Rollstuhlfahren wird mir warm und das Ganze härtet ab. Die Jacke mitzunehmen und dann nicht anzuziehen, ist keine wirkliche Option, da ich sie sonst entweder auf meiner Tasche balanciere oder irgendwie mühsam hineinquetschen muss. Dasselbe gilt auch für Regen.
Umgekehrt lasse ich auch bei wärmeren Temperaturen eher mal ein Kleidungsstück mehr an. Denn ich kann es mir nicht einfach umbinden und eben auch nicht leicht transportieren. Ich kann im Sommer wenig Kleidung zum Trotz abartig schwitzen, weil nämlich weder Rücken noch Hintern noch Oberschenkel irgendwie belüftet werden, wenn ich eine Tasche auf dem Schoß liegen habe. Mein Umgang mit Kleidung hat dazu geführt, dass ich über ein breites für mich angenehmes Temperaturspektrum und ein starkes Immunsystem verfüge. Entscheidend ist aber, dass im Winter meine Mobilität noch mehr eingeschränkt ist.
Vor einigen Jahren lag so lange Schnee und Eis, dass ich geschlagene fünf Wochen nicht selbsttätig für Spaziergänge/-fahrten aus dem Haus konnte, es ging von Gebäude zu Gebäude oder Auto. Doch wie schon geschrieben gibt es viele, viele Menschen, die mir auch in dieser eher unangenehmen Jahreszeit Unterstützung gewähren können und mir im Schnee und auf Wegen behilflich sind.